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Rekrutierung aus dem außereuropäischen Ausland – Rettung für den deutschen Arbeitsmarkt?

09.07.2019
Dem nationalen Arbeitsmarkt gehen die Fachkräfte aus. Kürzlich berechnete das IAB-Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit, dass bis 2060 jährlich 260.000 Menschen nach Deutschland einwandern müssen, um den Fachkräftebedarf zu decken. Kann die Rekrutierung qualifizierter Arbeitnehmer aus dem Ausland Abhilfe schaffen?

Derzeit kommt der größte Anteil der nach Deutschland zugewanderten Arbeitskräfte aus den EU‑Mitgliedsstaaten. Allerdings sind auch viele süd- und osteuropäische Länder von alternden Gesellschaften betroffen. Die entsprechende Arbeitnehmerzuwanderung könnte in den nächsten Jahren wieder zurückgehen, wenn auch dort der demografische Wandel richtig greift. 

Bereits 2018 nahm die Zuwanderung von Fachkräften aus EU-Staaten nach Deutschland ab. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, ist die Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus Drittländern für Deutschland unverzichtbar. 

In diesem Beitrag wollen wir aufzeigen, in welchen Ländern die gezielte Rekrutierung aus dem Ausland gut funktioniert, wie die Situation in Deutschland aussieht und welche Maßnahmen in Zukunft hilfreich sein könnten. 
 
Wo funktioniert die Zuwanderung von Hochqualifizierten bereits besonders gut? 

In der Diskussion um erfolgreiche Maßnahmen, die Zuwanderung von Hochqualifizierten zu fördern, wird allen voran gerne Kanada als positives Beispiel genannt. Wie auch Australien, Neuseeland und Österreich wendet Kanada ein Punktesystem an, das auf ein potenzialorientiertes Konzept zur Steuerung der Einwanderung setzt. 

Für die kanadische Regierung ist Zuwanderung ein entscheidender Baustein, um einer gesellschaftlichen Überalterung und dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Mithilfe des 2015 eingeführten „Express Entry“-Systems gelang es, die Zahl der qualifizierten Zuwanderung auf 300.000 Migranten jährlich zu erhöhen. 

Bei diesem Programm können potenzielle Zuwanderer selbst ein Profil auf der Webseite des zuständigen Ministeriums erstellen. In dem Profil werden alle relevanten Informationen wie Bildungsstand, Sprachkenntnisse und berufliche Qualifikation gespeichert. Anhand dieser Angaben wird ein Punktestand errechnet. Interessierte zwischen 20 und 29 Jahren erhalten beispielsweise 100 Punkte, während 39-Jährige nur noch 50 Punkte erhalten. 

In Neuseeland, das eine ähnliche Strategie verfolgt, wird anhand der Punktzahl eine Rangfolge erstellt, nach der regelmäßig geeignete Kandidaten herausgefiltert und aufgefordert werden, sich für eines der Einwanderungsprogramme formal zu bewerben, zum Beispiel für das „Federal Skilled Workers“-Programm für Fachkräfte. In Australien besteht für Arbeitgeber und Regierung zusätzlich die Möglichkeit, eigene Kandidaten zu nominieren. Auch in dieser zweiten Stufe wird wieder ein Punktestand vergeben, der darüber entscheidet, ob eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt wird. Das Vorbildliche an diesem Programm: Bis zum Entscheid sollen höchstens 6 Monate vergehen. 

In Kanada, Australien und Neuseeland wird jährlich ein Kontingent für neue Aufenthaltsgenehmigungen festgesetzt. Österreich bildet die Ausnahme: Hier dauert die Prüfung der Bewerbungsunterlagen sogar nur acht Wochen und das Kontingent wird bisher nicht begrenzt. Alle vier Länder haben durch das Punktesystem für sich eine Möglichkeit geschaffen, innerhalb weniger Monate auf einen Pool an Fachkräften zugreifen zu können. 

Deutschland bietet noch zu wenig Anreize 

In Deutschland hingegen wird das Konzept der marktorientierten Zuwanderung angewendet. Der Hauptunterschied besteht darin, dass bei der marktorientierten Zuwanderung ein Arbeitsvertrag vorausgesetzt wird. 

Im Rahmen einer potenzialorientierten Zuwanderung können Kandidaten, die beispielsweise über das oben aufgeführte Punktesystem ausgewählt wurden, auch ohne Vertrag ins Land kommen, um dann aktiv einen Arbeitsplatz zu suchen. In Kanada erhalten sie zu diesem Zwecke ein Visum, das für fünf Jahre gültig und verlängerbar ist, in Australien und Neuseeland sind die Visa unbefristet. Eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis ist inbegriffen.

In Deutschland hingegen können internationale Fachkräfte derzeit nur dann eine Aufenthaltsgenehmigung ohne Arbeitsvertrag erlangen, wenn sie für bestimmte Mangelberufe eine anerkannte Qualifikation haben und ihren Lebensunterhalt bestreiten können, ohne dafür einer Beschäftigung in anderen Bereichen nachzugehen. 

Mit anderen Worten: Potentielle Drittlandkandidaten, die nach Deutschland kommen wollen, müssen in der Lage sein, eine vielleicht monatelange Wartezeit für die Anerkennung ihrer Qualifikation und die Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz im Voraus zu finanzieren, eine Belastung, die für viele Hochqualifizierte aus Drittländern schwer zu stemmen ist. Das neue Zuwanderungsgesetz soll die Situation jedoch etwas erleichtern. 

Politische Maßnahmen versprechen Erleichterung 

Derzeit profitieren in Deutschland nur hoch qualifizierte Akademiker aus Drittstaaten von den politischen Maßnahmen der Arbeitnehmerzuwanderung. Mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz sollen auch die Zuwanderungsmöglichkeiten für Fachkräfte wie Mechaniker oder Elektriker erleichtert werden. 

Ende Juni 2019 hat der Bundestag das von der Wirtschaft seit Jahren geforderte „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ beschlossen, das qualifizierten Kandidaten aus dem außereuropäischen Ausland den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern soll. Das Gesetz beinhaltet unter anderem die Möglichkeit für Hochschulabsolventen und qualifizierte Arbeitnehmer aus dem nichtakademischen Bereich außerhalb der EU, für einige Zeit nach Deutschland zu kommen und aktiv nach einem Arbeitsplatz zu suchen. 

Auf die Vorrangprüfung kann bei anerkannter Qualifikation und Arbeitsvertrag zukünftig verzichtet werden. Betriebe werden dann nicht mehr nachweisen müssen, dass keine bevorrechtigten Inländer für einen angebotenen Job zur Verfügung stehen, ehe sie einen Nicht-EU-Ausländer einstellen. Außerdem sollen Verfahrensvereinfachungen den Prozess der Anerkennung beruflicher Qualifikation erleichtern. Dringend nachgefragte Fachkräfte aus der IT-Branche sollen in Zukunft selbst ohne anerkannten Abschluss arbeiten dürfen, wenn sie die nötigen Praxisnachweise erbringen können. Voraussetzung bleiben aber gute Kenntnisse der deutschen Sprache. 
 
Was können Unternehmen tun?

Die erste Voraussetzung für erfolgreiche internationale Rekrutierungsmaßnahmen ist eine offene Unternehmenskultur. Bedürfnisse von Mitarbeitern aus anderen Kulturkreisen müssen berücksichtigt werden, damit ein für beide Seiten attraktives Beschäftigungsmodell entstehen kann.

Sinnvoll sind auch umfassende und individuell angepasste Onboarding-Maßnahmen und eine flexible Arbeitszeitgestaltung, die parallel Sprachkurse und weitere Trainingsmaßnahmen ermöglicht. 

Profitieren sollten außerdem die Familien der Kandidaten. Einige Unternehmen bieten beispielsweise die Teilnahme an Sprachkursen für Familienangehörige sowie die Kostenübernahme für internationale Schulen, berufliche Qualifikationen und Perspektiven für die Ehepartner sowie Hilfestellungen bei der Wohnungssuche an.
 
Fazit

Der große Bedarf an Fachkräften macht es zukünftig notwendig, qualifizierte Arbeitnehmer aus dem außereuropäischen Ausland zu gewinnen. Unternehmen können durch die weitergehende Internationalisierung des Personalbestandes in vielfacher Hinsicht profitieren. 

Voraussetzung sind allerdings fördernde Maßnahmen, sowohl durch die Unternehmen als auch den deutschen Gesetzgeber. Die aktuell durch den Bundestag auf den Weg gebrachten Instrumente können hierbei nur ein erster Schritt sein. 
 
 

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